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Heimat à la carte
Foto: Marco Stepniak

Heimat à la carte

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: _Redaktion _RDN

Wie schmeckt Heimat, wenn sie nicht mehr vor der eigenen Haustür liegt?

Wie schmeckt Heimat, wenn sie nicht mehr vor der eigenen Haustür liegt? Martin Dienberg, Integrationshelfer beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen, bat
drei Familien mit Fluchtgeschichte, jeweils einen Gang aus ihrer Herkunftsküche in Eritrea, im Libanon und in Aserbaidschan zuzubereiten. 

Libanon: Gastfreundschaft galore

Für den libanesischen Gang gab es die marinierten Hähnchenspieße Schisch Tawouk mit zweierlei Schafskäsesalat: kalt und pur sowie gebacken mit ordentlich Knoblauch. Ein kleines Detail, das viel erzählt, denn Knoblauch ist in der libanesischen Küche kulinarische Essenz.

Essen ist hier ohnehin mehr als der Teller vor der Nase. Es ist Teilen, Nachreichen, Zusammensitzen. „Bei uns heißt es: Allein zu essen, macht die Seele traurig“, sagt Adnan Kassim. Gastfreundschaft sei fast ein Wettbewerb. Bei Besuch wird der Tisch im Superlativ gedeckt, Fleisch gilt als wertige Geste. Natürlich halal, also den islamischen Speiseregeln entsprechend. Erlaubt sind etwa pflanzenfressende Paarhufer und Fische mit Schuppen. Haram, also verboten, sind unter anderem Schwein, Pferd, Wildschwein und Amphibien.

Vom Tier wird möglichst viel verwertet, Hühnerfüße zum Einkochen von Suppe etwa. Was hierzulande kurios klingt, ist dort Respekt vor dem Lebensmittel. Kritisch sieht Adnan allerdings das Übermaß. Dass in Deutschland meist knapper geplant und weniger weggeworfen wird, findet er deshalb gut.

Aserbaidschan: Gar nicht so anders

Winzig klein, aber großer Aufwand: Dushbara gehört zu den Gerichten, die Geduld verlangen. Familie Jafarov servierte kleine, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen in Rinderbrühe.

Die Lage am Kaspischen Meer prägt die aserbaidschanische Küche: türkische, persische und zentralasiatische Einflüsse treffen auf Lamm, Rind, Geflügel, Reis und Gemüse. Ausgefallen gewürzt muss es gar nicht sein. „Wir benutzen nicht so viele Gewürze“, sagt Melhahet Jafarov. Salz, schwarzer Pfeffer, Kurkuma, Koriander, Minze, das reicht schon.

In Deutschland hat die Familie ihren Speiseplan angepasst. Die Kinder sind in der OGS mit deutschem Essen groß geworden; Toast oder Nudeln mit Soße stehen hoch im Kurs. „Meine Tochter isst nicht so gerne aserbaidschanisch“, erzählt Melhahet. Traditionelle Gerichte kocht die Familie bei besonderen Anlässen.

Eritrea: Bohne appétit

Familie Gebrehiwet aus Eritrea bereitete Himbasha vor – ein süßliches Festtagsbrot, oft kunstvoll eingeschnitten und schon optisch mehr als eine Beilage. Dazu gab es eritreischen Kaffee.

In Eritrea gehört die Kaffeezeremonie fest zum sozialen Leben. Das Ritual zeigt Respekt, besonders gegenüber Älteren, und schafft Zeit für Gespräche, Familie und Zusammensein statt Eile. Traditionell rösten die Gastgeber die Bohnen vor den Gästen, mahlen sie und brühen sie in einer Jebena, einer kleinen Tonkanne, auf. Schon der Duft der gerösteten Bohnen gehört dazu.

Ruth, die Tochter der Familie Gebrehiwet, erzählt, dass sie meistens mittags eritreisch essen. Anders als in Deutschland stehe in Eritrea aber nicht immer eine große Auswahl gleichzeitig auf dem Tisch.

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen

Frau Katja Jacob
Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

02361 9301116
www.diakonie-kreis-re.de

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