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"Hier ist es schön"
Foto: Marco Stepniak

"Hier ist es schön"

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Wie „Pflegewege“ den Weg ins neue Zuhause ebnen.

Monika Pollok hätte sich kaum vorstellen können, dass sie einmal mit leuchtenden Augen im Gemeinschaftsraum eines Pflegeheims sitzen würde. „Ich wollte absolut nicht“, sagt die 82-Jährige und lacht leise. In ihrer Wohnung in Herten fühlte sie sich wohl. Ein selbstbestimmtes Leben – das war ihr wichtig. Doch nach einem Krankenhausaufenthalt war klar: Allein zu Hause würde es nicht mehr gehen. Die Aufgabe der eigenen vier Wände war ein großer Schritt für die Rentnerin. In Recklinghausen hatte sie Glück: Ein Zimmer im Haus Abendsonne wurde frei. Schon nach dem ersten Tag stand für Monika Pollok fest: „Hier bleibe ich. Es ist so schön hier.“ Die Mitarbeitenden begegneten ihr mit einer Herzlichkeit, die sie tief beein- druckte. „Die strahlen so eine Liebe aus, sie wollen es einem so schön wie möglich machen“, erzählt die 82-Jährige, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Singstunden, Kegeln, Gymnastik, Gedächtnistraining – jeden Tag gibt es hier neue Angebote“, sagt die Rentnerin. Im Haus Abendsonne sei sie jetzt mobiler und aktiver als zuvor allein in ihrer Wohnung. Und als die alte Wohnung geräumt wurde, durften Lieblingsstücke wie Sammelgeschirr, Blumen und Bücher mit in ihr neues Zuhause einziehen. Der Fall von Monika Pollok sei ein klassischer, typischer Fall. Der Weg in ein Pflegeheim oder eine betreute Wohnform ist für viele ältere Menschen ein großer Einschnitt. Damit dieser Übergang so reibungslos wie möglich gelingt, gibt es die „Pflegewege“ der Diakonie im Kreis Recklinghausen – ein umfassendes Beratungsangebot für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. „Menschen wenden sich an uns, wenn sie Fragen haben zu Pflegegraden, Vollzeit- oder Tagespflege, Kurzzeitpflege, ambulanten Diensten oder allgemeinen Informationen rund um die Organisation von Pflege“, erklärt Elisabeth Uhländer-Masiak von der Beratung Pflegewege im Matthias-Claudius-Zentrum in Oer-Erkenschwick. „Leider kommen die meisten erst, wenn die Not groß ist und bereits akuter Handlungsbedarf besteht“, sagt Vanessa Berens-Schnorrenberg von der Beratung Pflegewege im Haus Abendsonne. Nur selten suchten betagte Menschen frühzeitig Rat, wenn sie noch mobil, gesund und fit sind. Dabei wäre genau das wichtig: sich schon in guten Zeiten Gedanken zu machen. „Was muss ich heute tun, damit mein Wunsch auch in 15 Jahren noch möglich ist? – diese Frage muss sich jeder stellen“, sagt Anja Kuhn von der Beratung Pflegewege im Theodor-Fliedner-Haus in Herten. Zur Vorbereitung gehört mehr als nur das Gespräch über das eigene Altwerden. Es geht um Vorsorgevollmachten, realistische Einschätzungen über die finanziellen Möglichkeiten und die Entscheidung, wer später im Ernstfall für einen handeln soll. Auch Patientenverfügungen werden regelmäßig in Infoveranstaltungen thematisiert.

Kraftakt der Angehörigen

„Es ist oft ein emotionaler Prozess für die Angehörigen. Viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Mutter oder Vater nicht mehr selbst betreuen können“, so Berens-Schnorrenberg. Dabei könne ein Umzug ins Heim auch eine Chance für neue Lebensqualität sein, wie das Beispiel von Monika Pollok zeigt. Hinzu kommt die oft komplexe Bürokratie: Pflegewohngeld, Sozialhilfeanträge, Wartelisten – all das kann überfordern. Auch hier hilft die Beratung der Pflegewege; sie begleitet Betroffene und Angehörige bei den Prozessen.

Hilfe in akuter Not

Manche Situationen entstehen sehr plötzlich, etwa nach einem Sturz oder einer Krankheit, wenn die häusliche Pflege nicht mehr möglich ist. Andere Familien melden ihre Angehörigen vorsorglich an – damit, wenn es einmal nötig wird, ein vertrauter Platz zur Verfügung steht. Besonders wichtig: In akuten Fällen können Berater sogar dabei unterstützen, Übergangslösungen wie Kurzzeitpflege zu finden. Altersvorsorge bedeute sowohl emotionale als auch organisatorische Vorbereitung. Dafür nehmen sich die Beraterinnen gerne Zeit. Wer Rat sucht, sollte telefonisch oder per E-Mail einen Termin mit einer der Mitarbeiterinnen von Pflegewege vereinbaren. Für Monika Pollok hat sich der Weg gelohnt. Sie hat sich auf etwas Neues eingelassen – und ein Zuhause gefunden. Ihr Alltag ist heute gefüllt mit Gemeinschaft, Aktivitäten und dem guten Gefühl, nicht allein zu sein.

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

www.diakonie-kreis-re.de

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